Ombosoboru

Obsidiman Nethermancer

Description:

Nethermancer, Fourth Circle

Gender: male identity
Age: 126
Height: 2.24 m
Weight: ~ 860 lbs.
Skin: dark gray
Eyes: yellow

Legend Points: 6.800/25.400

Attributes
Dexterity 11/5
Strength 16/7
Toughness 16/7
Perception 16/7 (+ 1 bonus to Perception-only Tests)
Willpower (+1) 16/7
Charisma 11/5

Physical Defense: 7
Spell Defense: 10
Social Defense: 7 (9)

Physical Armor: 8
Mystic Armor: 6
[Natural Armor + Fearnweave + Espagra-Scale Cloak]

Death Rating: 59
Unconsciousness Rating: 46
Wound Treshold: 14
Recovery Tests per Day: 3

Carrying Capacity: 160lbs.
Movement: 5 squares

Initiative: 4 (Espagra-Scale Cloak Initiative Penalty included)
Karma: 15/15

Talents
Discipline
Astral Sight (PER) (5): 12
Durability (4/3) (5)
Frighten (WIL) (5): 12
Karma Ritual (5)
Read/Write Magic (PER) (4): 11
Spellcasting (PER) (5): 12
Spell Matrix 1 (4)
Spirit Hold (WIL) (5): 12
Spirit Talk (PER) (4): 11
Nethermancy (TW) (PER) (5): 12

Option
Silent Walk (DEX) (1): 6
Spell Matrix 2 (3)
Spell Matrix 3 (2)
Spell Matrix 4 (1)

Skills
Language
Speak Language (2): 9 – Dwarf (Throallic), Obsidiman
R/W Language (2): 9 – Dwarf (Throallic), Obsidiman

Artisan
Bone Carving (1): 6

Knowledge
Magical Lore (1): 8
Scourge History (1): 8
Horror Lore (2): 9

General
Melee Weapons (1): 6
Wilderness Survival (1): 8
Alchemy (2): 9
Physician (1): 8

Half-Magic
- recognize uses of nethermantic magic
- recognize different types of undead and spirits
- recognize magical rituals, especially blood magic rituals
- understand the effects of different blood charms linked with Nethermancy
- produce blood charms
- innately sense the presence of spirits within 30 yards (can use talents and spells to communicate or interact)

Karma Use
- may use 1 Karma point on Willpower-only Tests

Spells
First Circle
Astral Spear
Bone Dance
Chilling Circle
Command Nightflyer
Detect Undead
Dry and Wet
Experience Death
Insect Repellent
Mount Scare
Putrefy
Spirit Dart
Spirit Grip
Undead Struggle

Second Circle
Bone Circle
Detect Nethermancy Magic
Ethereal Darkness
Fog Ghost
Gadfly
Life Circle of One
Pocket Guardian
Repel Animal
Shadow’s Whisper
Shield Mist

Third Circle
Arrow of Night
Dark Messenger
Death Trance
Death’s Head
Dispel Nethermancy Magic
Fog of Fear
Grave Message
Pack Bags
Pain
Preserve
Shadow Meld
Spirit Double
Summon Bone Ghost

Fourth Circle
Animate Skeleton
Astral Flare
Blood Servitor
Dark Spy
Evil Eye
Fatal Food
Friend or Foe
Last Chance
Nightflyer’s Cloak
Spirit Servant
Viewpoint
Visions of Death

Inventory (Pocket Guardian in backpack & purse)
Obsidiman Quarterstaff (true earth woven to its pattern) (Size:6, Damage (5):12)
Obsidiman Dagger (Size:2, Damage (3):10)
Fearnweave (2/3), Espagra-Scale Cloak (3/1, Initiative penalty 1)
Healer’s Kit (3/3 Applications), Physician’s Kit
Adventurer’s Kit
Artisan’s Tools (2xCarving tools)
Traveler’s Garb (with jet-black robe and headdress)
Grimoire (carved bones)
Piktorwald’s Grimoire (carved bones, spells up to Circle 4)
Garlrolds Foliant (Nethermancy spells Circle 3 to Circle 6, Blood Ritual Circle 10)
2 Talismane [Eulenfigur, Totenschädel] (First Circle: Undead Struggle, Detect Undead)
Kleiner Lichtquarz
Obsidiman-sized tent
Healing Potions (0), Booster Potions (1)
The Stone of Wisdom (Thread Item) (woven to Thread Rank 3: +1 bonus to Perception-only Tests, Social Defense +2)

Money: 138 gp, 39 sp

Bio:

Dichte regenschwere Wolken hatten sich zu einer dunkelgrauen Decke über den Ausläufern des Gebirges zusammengezogen. Von seiner erhobenen Position blickte Ombosoboru hinab in den kleinen Talkessel, zu den Zelten und Steinbehausungen, kleinen und großen, sowie zu den vielen verstreuten Höhlen ringsherum, in welchen die Trolle des Kosh’Thogar-Clans hausten. Die Sonne war bereits seit einigen Minuten vollständig hinter dem Wolkenvorhang verschwunden, so dass dem beobachtenden Obsidianer vieles in den Schatten der Felsen verborgen blieb. Über dem östlichen Bereich des Tals hatte eines der Luftschiffe des Clans angelegt. Ombosoboru stand auf seinen Stecken gestützt, einem massiven Stab, der in etwa seine Körpergröße hatte. Aus dem oberen Ende des Ahornsteckens war ein Kopf, der massive Schädel und das Gesicht eines ernst dreinblickenden Obsidianers geschnitzt worden. Unter diesem war zur Hälfte ein Lederriemen um den Stecken gewunden, welcher zur anderen Hälfte eine Vielzahl verschiedener kleiner Knochenfragmente zu einer Kette verband, die den Stecken zwei Hand breit herabhing und vom Wind angetrieben hin und her schwang. Verschiedene Schnitzereien verzierten den Stab darüber hinaus: floral anmutende Muster, welche Ranken, Dornen und Blättern ähnelten, zackige Symbole, welche Felsen und Steine abbilden mochten, wellige Linien, die Wasser oder Nebel- und Rauchschwaden oder gar Wind symbolisierten, sowie Sonnensymbole und Gesichter, ähnlich dem an der Spitze des Stabes wachenden Kopfes. Der große Obsidianer war in eine dunkelbraune schwer anmutende Robe gekleidet, an der Taille durch einen breiten Ledergürtel zusammengehalten, trug einen schwarzen Reisemantel und einen Lederrucksack auf dem Rücken. Stoisch trotzte er den an Stärke zunehmenden Windböen, die über die Gebirgslandschaft hinwegfegten. Seine Füße waren für seine Wanderung über den karsten felsigen Untergrund mit schwerem Leinen gewickelt. Seine Haut war grau wie auch seine wachsamen Augen und wirkte so stark und fest wie der Fels des Gebirges. Möget ihr in Frieden und Harmonie leben, ihr Trolle und ehrbaren Wesen. Lebe wohl, Krodan. Vielleicht werden sich unsere Wege an einem der Tage, die vor uns liegen, wieder kreuzen. Ich werde mich an dich erinnern, an euch alle. Und wenn ich zurückkehre und wir uns noch einmal begegnen sollten, werde ich dir von meinen Erlebnissen erzählen, so wie du mir von deinen erzählt hast. Der Geisterbeschwörer drehte sich einmal um seine eigene Achse, machte einige Schritte auf die Klippe zu, welche vor ihm lag, und blickte zur anderen Seite seiner Position hinab auf das ergrünte Tal und die beeindruckende massive Felsformation an dessen nördlichen Ende, die sich hoch in den Himmel erhob, auf seinen Lebensfels. In diesem Moment brach die schwere Wolkendecke auf und goldenes Licht fiel hindurch auf Ombosoborus Heimat. Ein vorerst letztes Mal erblickte der Obsidianer den Ort, an dem er nach der Zeit des Einswerdens und Hervortretens, einer Zeit des Lernens und Wachsens, einer Zeit von einem Jahrhundert das Licht der Welt erblickt hatte und in die Gemeinschaft von Brüdern aufgenommen worden war, die zu diesem Zeitpunkt außerhalb des Lebensfelses im Tal von Jhaldo gelebt hatten. Am Ende dieser Zeit war ihm vom Lebensfels sein Name, seine Geschichte und Abstammung sowie das Wissen über seine Bruderschaft, waren ihm die Namen all seiner Brüder und das durch die Bruderschaft zusammengetragene grundlegende Wissen über die Welt anvertraut und geschenkt worden. Auch war ein Teil der Kraft des Großen Erdgeistes in Ombosoboru übergegangen, so wie es auch bei seinen Brüdern vor ihm geschah und bei denen geschehen würde, die nach ihm kämen. Das Tal war nach dem Anführer der Ersten, den Gründern, benannt worden, die einst dem Ruf der Erde an diesen Ort gefolgt waren, um sich niederzulassen. Unterirdische Quellen sowie der nah im Gebirge entspringende Fluss namens Queldomar machten das Tal zu einem grünen Hort des Lebens. Vereinzelte Säulen im Tal berichteten mit ihren Inschriften über dessen Geschichte. Die ansässige Bruderschaft lebte in natürlichen Höhlen und Unterschlüpfen in Einklang mit der Natur und dem Geist der Erde, pflegte beidseitig ertragreiche Austauschbeziehungen mit dem benachbarten Troll-Clan bezüglich Handel, Handwerk, Schutz und Wissen. Lebt weiter in Harmonie und Frieden, meine Brüder. Der Große Erdgeist wird über euch wachen sowie die Seelen unserer Ahnen. Für einen Moment war es, als würde Ombosoboru einige seiner Brüder hören, die sich ihm zuwendeten und ihm eine gute Reise wünschten. Auch fühlte der Obsidianer die enge Verbindung mit seinem Lebensfels, das starke Band mit der Erde. Für einen kurzen Moment wurde es dem Adepten schwer um sein Herz. Und dann waren da noch die Stimmen der Ahnen, jener Obsidianer des Lebensfels, die sich auf ewig wieder mit der Erde verbunden hatten und die jenigen, die in die Welt jenseits dieser, in die Geisterwelt, gegangen waren. Auch sie konnte Ombosoboru hören, sie spüren, denn er schien unter seinen Brüdern eine besondere Gabe dafür erhalten und mehr und mehr entwickelt zu haben. Es ist die richtige Entscheidung. Geister der Ahnen, ihr habt mir meinen Weg gewiesen. Der Geisterbeschwörer dachte in diesem Moment zurück an das Ritual der Geister, an das Knochenorakel, welches sein Lehrbruder Ghodon für ihn gedeutet und gelesen hatte, nachdem Ombosoboru berauscht durch einen zuvor getrunkenen Tee mit den Ahnen selbst hatte Kontakt aufnhemen können, um Antworten und Führung zu erbitten. Ich werde zurückkehren und mein gewonnenes Wissen und meine Erfahrungen mit meinen Brüdern teilen. So viel liegt vor mir, so viel zu erleben und zu entdecken. Der Drang, die Neugier des Obsidianers auf das eigene Erfahren und Erleben der Welt war groß. Nochmals dachte er auch an Krodan, den Troll, seines Zeichens ein Elementarist, und dessen Familie, Weib und Kinder, welche Ombosoboru am vertrautesten von den Trollen jenes Clans geworden waren. Trolle lebten ganz anders als Obsidianer, in gänzlich anderen sozialen Strukturen. Ein manches Mal hatten beide am Feuer beisammengesessen und meist hatte der Obsidianer den Erfahrungs- und Erlebnisberichten von Krodan gelauscht oder beide hatten über die Wesensarten der Magie und der Geister gefachsimpelt. Meist hatte Ombosoboru seinen Lehrbruder Ghodon zu den Trollen und ihren Stätten begleitet. Ghodon war seines Zeichens ebenfalls ein Adept, welcher dem geheimnissvollen Weg des Geisterbeschwörers folgte. Er hatte Ombosoboru in die Wege des Adepten eingeführt und dessen Initiation angeleitet und mit ihm vollzogen. Die Wolkendecke schloss sich wieder. Es ist Zeit. Wir werden uns wiedersehen. Dann setzte sich der Obsidianer endgültig in Bewegung und suchte sich seinen Pfad durch die felsigen Anhöhen. Eng schnürrte er sich seinen Umhang um den Leib, denn der Wind war kalt und der Weg aus dem Gebirge war lang.

Nach gut vier Wochen Fußmarsch erreichte der Obsidianer eine kleine Ansiedlung gelegen an einem schmalen Strom. Vor einer Woche hatte der Geisterbeschwörer die letzten Ausläufer des Gebirges hinter sich gelassen. In der Nacht hatte er auf seinem Weg in Höhlen oder breiten Felsspalten Schutz gesucht, später unter Bäumen, im Dickicht von Büschen, Sträuchern und hohem Grad, Erdmulden oder hatte sich behelfsmäßig einen Unterschlupf gebaut. Sein Wissen über die Wildnis half ihm, in dieser eine ganze Zeit lang zu überleben. Neben seinen Rationen zehrte er von Früchten, Wurzeln, Gräsern und anderen essbaren Pflanzen, die tiefer in der Erde wurzelten. Im Gegensatz zu anderen Namensgebern benötigte Ombosoboru wie seine Brüder auch vergleichsweise wenig Nahrung und Wasser, aß nur äußerst selten das Fleisch von Tieren, anderen Lebewesen, was einem tiefen Respekt vor allem Leben geschuldet war. Langsamen Schrittes war der Adept und Initiat dem Fluß gefolgt und nach drei Tagen auf das Dorf gestoßen. Recht schnell war man auf ihn aufmerksam geworden: Menschen, Zwerge, einige Orks, gar einige wenige Windlinge und T’Skrang, die in der Nähe an einem kleinen See, in welchen der Fluß in einger Entfernung mündete, eine eigene Siedlung hatten. Wenige von ihnen hatten zuvor einen Obsidianer gesehen, doch sollte es eine zeitlang dauern, bis dem Adepten Offenheit entgegengebracht wurde. Nichtsdestoweniger hatte sich Ombosoboru entschieden, eine ganze Weile in Kweddling zu bleiben, diese faszinierenden Wesen, ihre Lebensweisen, ihre Geschwindigkeit, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede kennen zu lernen, so dass sie auch ihn kennen lernen konnten. Insbesondere die Windlinge schienen die Neugier des Obsidianers zu teilen. Zu Beginn hatte Ombosoboru sein Kunsthandwerk des Knochenschnitzens unter den Augen des Dorfältesten, einem bereits ergrauten und gebeugten Menschen namens Ulmer, ausüben müssen, um seine Unbeflecktheit von dämonischen Einflüssen unter Beweis zu stellen. Ulmer und der Dorfrat hatten schließlich zugestimmt, dass der Obsidianer als Gast verweilen durfte. Mit seiner astralen Sicht hatte Ombosoboru das Dorf und seine Umgebung bzw. den dazugehörigen Astralraum nach dämonsichen Verunreinigungen untersucht. Beruhigt stellte der Geisterbeschwörer fest, dass die Umgebung sicher schien und wenig durch dämonische Einflüsse beschmutzt. Auf seinem Marsch heraus aus dem Gebirge hatte er den Astralraum ein manches Mal in einigem Anstand geprüft. Nach vier Monaten hatten zumindest einige der Dorfbewohner – die Dorfgemeinschaft umfasste 376 Seelen – Vertrauen zu ihrem geheimnisvollen Gast gefasst, allen voran eine menschliche Frau namens Denara, die so etwas wie die Heilkundige des Dorfes war. Zuvor war der Obsidianer nicht aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer geheimnisumwobenen Rasse, vielmehr dadurch, dass er auf dem Pfad des Geisterbeschwörers wandelte, sehr misstrauisch beäugt worden. Dabei verstand sich der Obsidianer aufgrund seiner Fähigkeiten und seines Wissens eher als eine Bastion gegen die Dämonen. Und es war die Vergrößerung dieser Gaben, die er anstrebte und was ihn antrieb, zu verstehen, sich zu wappnen und zu schützen. Moralische Begriffe wie Gut und Böse hatten nur wenig Bedeutung für ihn. Wofür man seine eigenen Fähigkeiten einsetzte, spielte eine Rolle, was ebenso auf die Fähigkeiten eines Geisterbeschwörers zutraf wie auch z.B. auf den Einsatz eines Schwertes für eine bestimmte Sache; denn auch ein Schwert war nicht an sich gut oder böse, genauso wie eine Phiole einen heilenden Trank oder ein Gift beinhalten konnte. Ombosoboru, der einzige Adept des Dorfes, unterstützte die Heilerin bei ihren Aufgaben und erlebte Tod und Sterben mit, auch wenn diese Dinge aus der Sicht des Geisterbeschwörers nicht das endgültige Ende bedeuteten, sondern vielmehr der Übergang auf eine andere Ebene des Existierens. Vor dem Tod, also dem Ende des gegenwärtigen Existierens in jetziger Gestalt und Form, hatte Ombosoboru keine Angst. Angst war sowieso etwas, was der Obsidianer zu kontrollieren und beherrschen gelernt hatte, gelernt hatte, dieses Gefühl als Instrument zu sehen, um es, wenn nötig, gegen andere einzusetzen, andere mit ihren Ängsten zu konfrontieren, um sich dann dagegen zu wappnen und sich mit dieser auseinander zu setzen. Ebenfalls machte sich der Obsidianer bei verschiedenen Arbeiten im Dorf nützlich, bei denen größere Körperkraft von Vorteil war und unterrichtete einige Bewohner im Lesen und Schreiben. Es war eine Zeit des Lernens, eine dankbare Zeit in einer gänzlich anders funktionierenden Gemeinschaft. Alles schien so schnell zu verlaufen, so hektisch und dringlich, dass es Ombosoboru oftmals schwer fiel, mit dem Tempo seiner Umgebung mitzuhalten. Und der Mond folgte seinem Zyklus, so wie die Jahreszeiten ihrem und über ein Jahr verging, bis der Obsidianer das Dorf wieder verließ, um seine Reise fortzusetzen, die ihm seine Ahnen gewiesen hatten.

Ombosoboru hatte in einer kleinen Mulde im Boden ein Feuer entzündet. Auf diesem hatte er Wasser in seiner Kanne erhitzt, in welcher er nun den Tee ziehen ließ, bis die verschiedenen Kräuter ihre Aromen ins heiße Wasser abgegeben hatten. Langsam füllte der Obsidianer Tee in zwei seiner hölzernen Teebecher: einen dampfenden Becher für sich selbst, einen weiteren als Einladung für einen Geist. So war es Tradition seiner Disziplin und u.a. wichtiger Bestandteil seines Karmarituals. Der Obsidianer blickte mittels seiner Fähigkeit der Astralsicht in den Astralraum und entdeckte in der Entfernung eine geisterhafte Gestalt. Der Astralraum war an diesem Ort überwiegend rein und nur wenig durch die Präsenz von Dämonen verunreinigt worden. Der Geisterbeschwörer konzentrierte sich wieder auf die materielle Welt, die ihn umgab, und lehnte sich an den Stamm der großen Eiche, unter welcher er sich niedergelassen hatte. Genüßlich nippte Ombosoboru an seinem Becher und spürte, wie sich die Kräuteressenzen in seinem Mund entfalteten. Mit seinen Gedanken schweifte der Adept ab, begab sich auf eine gedankliche Reise in die Welt der Geister und Ahnen, malte es sich vor seinem inneren Auge aus, sich dorthin zu begeben und dort zu sein. Nach einiger Zeit hatte er die Augen geschlossen und erinnerte sich an die Zeit seines Heraustretens aus seinem Lebensfels und für welche Verwunderung und Verwirrung dies in der Bruderschaft gesorgt hatte. Ombosoboru war der erste Obsidianer gewesen, der nach der Zeit der Plage aus der Ostformation des Lebensfelsens hervorgetreten war, einer Formation die einst durch Dämonen innerhalb des Lebensfelsens ansatzweise korrumpiert worden war. Auch wenn keine Verunreinigungen zurückgeblieben, der Große Erdgeist für Reinigung gesorgt hatte, war es für die Gemeinschaft überraschend, ein Zeichen gewesen – für die meisten ein Omen der Erneuerung, für andere jedoch nach wie vor ein Ereignis, das Besorgnis, Misstrauen und Aberglauben erregte. Innerhalb der Gemeinschaft war Ombosomboru stets eine Sonderstellung vorbehalten geblieben. Sein besonderer Ursprung hatte sicherlich seinen Weg auf den Pfad des Geisterbeschwörers mitbestimmt, seinen Ursprung und die damit verbundene Geschichte des Lebensfelsens besser zu verstehen und zu erforschen, sich mit der einstigen dämonischen Verunreinigung zu auseinanderzusetzen. Wieder nippte der Obsidianer an seinem starken Kräutertee, blickte zum Horizont und in die untergehende Sonne. Und wieder ging ein Tag zu Ende, ein Tageszyklus, um wieder von neuem zu beginnen. Jeder Tag ist doch ein kleines Leben, dachte der Obsidianer. Und geht ein Tag zu Ende, so ist es doch nur der Übergang in einen neuen Tag. Mit einem letzten Schluck leerte der Obsidianer seinen Becher. Nach einigen Stunden des Ruhens, des leichten Schlafens würde er seinen Weg fortsetzen. Bald musste er die breite Handelsstraße erreichen. Sein nächstes großes Ziel war die Stadt Travar.

Bevor Ombosoboru nach Travar aufgebrochen war, hatte er einige Tage in Rehnbrad, einer kleinen landwirtschaftlichen Siedlung überwiegend von Menschen, Elfen sowie einigen Orks und Zwergen bewohnt, Halt gemacht. Dort hatte man ihn vor den Steppenreitern gewarnt, die in der Gegend nördlich des Dorfes, also auf dem Weg weiter in die Großstadt Travar ihr Unwesenn treiben sollten. Sie würden unter dem Grünen Schädel von Clan Julgan reiten, hatte man dem Geisterbeschwörer erzählt.
Es dauerte nicht lang und fünf Reiter, allesamt Orks, waren herangeritten und hatten den Obsidianer und die ausblutenden Kadaver vor ihm umstellt – ein in Leder gerüsteter Ork, der halb unter seinem erschlagenen Reitpferd begraben war und dem man mit einem Speer aus der Nähe die Brust durchbohrt hatte. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Ombosoboru erinnerte sich an ein Sprichwort der Menschen. Deine Neugier hat dich in diese Lage gebracht. Auf seinem Weg entlang der Handlesstraße, die unweit entfernt war, hatte Ombosoboru zuerst ein lautes Wiehern, dann einen Schrei gehört. Er hatte sich seinen Weg durch das Feld und Gestrüpp gebahnt und war schließlich auf die Leichen gestoßen. Den Speer hatte er aus der Brust des Toten gezogen und neben diesem abgelegt. Er wollte gerade die Verletzungen des erschlagenen Steppenreiters und seines Reittiers genauer untersuchen sowie die Umgebung, als er die heranpreschenden Reiter bereits aus der Ferne sah. Ein Rückzug war zwecklos gewesen, ebenso wie ein Kampf.
Langsam umkreisten die Fremden den Obsidianer, der seinen Stecken vor sich hielt und in eine Art Verteidigungshaltung ging. Der Anführer, der wie alle auf seinem gehärteten Lederbrustpanzer das Symbol eines grünen Orkschädels trug, stieg von seinem Huttawa ab, während die anderen vier auf ihren Pferden sitzen blieben. Der bärtige Orks zog sein Breitschwert und näherte sich langsam mit wechselndem Blick zwischen Ombosoboru und den Leichen. Der Obsidiander erhob seine tiefe Stimme. „Ich trage keine Schuld am Tod dieses Reiters und seines Reittieres. Ich kam lediglich des Weges, als ich…“ Der Ork fauchte den Geisterbeschwörer an. „Haltet euer Maul, Steinmann! Ich habe euch nicht erlaubt, zu sprechen. Die Ehre des Clanes wurde verletzt. Ihr habt einen Steppenbruder getötet.“ Der Ork starrte den Obsidianer an. „Ich trage keine Schuld an…“ „Schweigt!“ Der Ork spuckte vor Ombosoboru aus. Doch verspürte der Adept keine Angst, hielt dem Blick des Anführers stand. Ein Ork zu Roß grunzte dazwischen. „Die Ehre des Clans fordert Wiedergutmachung, Rache, Genugtuung. Lasst ihn uns erledigen! Hier und jetzt! Er hat Golmash ermordet. Der Speer liegt vor ihm. Töten wir ihn und mit seiner Haut schmücken wir uns. Oder tragen sie zum Schutz.“ Ombosoboru hatte bereits von Bluttaten gegen Seinesgleichen gehört und es galt als widerwärtige Tat unter Obsidianern, die ihrerseits Vergeltung forderte. Der Obsidianer starrte zu dem Mann, der seine Hand am Heft seines Schwertes hatte. Zwei Pferde schaubten laut. Der Anführer behielt überraschend die Ruhe. „Wer seid ihr? Wie ist euer Name?“ Ombosoboru antwortete in ruhigem Ton, nannte seinen Namen und den Ursprung seiner Reise, seinen Lebensfels in den östlichen Ausläufern der Dragon Mountains nahe der Aras Sea, und fügte hinzu. „Ich habe mit dem Tod eures Bruders nichts zu tun. Seine Seele wandelt nun in der Welt der Geister. Nicht mehr in der unseren. Aber ich wäre in der Lage, euch zu helfen, zu erfahren, wie er den Tod fand, was seine letzten Augenblicke auf dieser Welt waren.“ Der Ork blickte weiterhin mit finsterer Mine drein und schien einen Moment zu überlegen. Zwei der Reiter um den Obsidiander steckten die Köpfe zusammen und murmelten etwas. „Ihr seid ein Adept? Ihr verfügt über magische Fähigkeiten?“ Der Anführer knurrte mehr als dass er sprach. Der Obsidianer nickte. Ombosoboru spürte einen Hauch von Respekt bei seinem Gegenüber und dessen Begleitern, auch wenn er chancenlos in der Unterzahl war, sollte es zum Kampf kommen. „Ich wählte den Pfad des Geisterbeschwörers, den Pfad von Schatten, Leben und Tod.“ Der Ork hielt inne, unterbrach den wieder vorpreschenden Begleiter, der dabei war, abermals den schnellen Tod des Obsidianers vorzuschlagen. Truppführer Rakas Rotauge ließ mit einer schnellen gekonnten Bewegung seine Klinge in der Schwertscheide an seinem Waffengurt verschwinden. „Der Einsatz eurer Magie könnte helfen. Aber nicht hier und nicht jetzt.“ Der kräftige Ork drehte sich zur Seite und brüllte seine ihm Untergebenen an: „Wir nehmen ihn mit, diesen Schwarzzauberer, und machen ihn Jalrosh zum Geschenk. Flankiert ihn und wenn er irgendeine komischen Bewegungen macht, versucht zu fliehen oder beginnt, etwas zu faseln, dann macht ihn nieder. Ansonsten muss er sicher im Lager ankommen. Jalrosh wird sich freuen.“ Rakas Rotauge ging selbst zu Fuß, während sein Reittier langsam neben ihm hertrottete. „Heute ist dein Glückstag, Steinmann. Rakas Rotauge war es, der euch euren steinernen Arsch gerettet hat, zumindest für den Moment“, flüsterte der Ork, als sich der Trupp mitsamt der Leiche des erschlagenen Orks und des Speers wieder in Bewegung setzte. Auch waren dem Pferd Sattelzeug, Decke und einige dicke Strähnen der Mähne abgenommen worden. Gegen Abend sollten sie das Lager nach einigen Stunden des Fußmarsches feldeinwärts erreicht haben.

Ombosoboru war in eines der vielen Zelte des Nomadenclans gebracht worden, nachdem er dem Clananführer, einem großen breitschultrigen Ork vorgeführt worden war. Als dieser von Rakas Rotauge aufgeklärt worden und unterrichtet worden war, dass der Obsidianer ein Geisterbeschwörer sei, hatte sich dessen Laune zusehens von gelangweilt in interessiert gewandelt. Vorerst hatte man den Obsidianer mit der Anweisung, ihn als eine Art Gast anzusehen und als solchen zu behandeln, fortgebracht; nur dass sein Bewegungsradius auf das kleine Zelt beschränkt worden war. Etwas Fleisch, Früchte und Wasser hatte man dem Adepten gebracht, wovon er sich lediglich an den Früchten und an Wasser bediente. Am Morgen öffnete sich unvermittelt das Zelt und eine Gestalt trat ein: ein Mensch mittleren Alters, gekleidet in die Farben der Wildnis, gerüstet in gehärtetes Leder. An einem Gürtel trug er an der einen Seite ein Breitschwert, an der anderen einen Dolch. Ombosoboru musste einen Moment in seinem Gedächtnis kramen, um den Mann wiederzuerkennen. Er kannte ihn aus dem Dorf, der Siedlung Rehnbrad, hatte ihn im ansässigen Gasthaus als Reisenden wahrgenommen. Der Obsidianer erhob sich aus seinem Schneidersitz. Seine Ausrüstung war ihm genommen worden. „Ich hörte, ihr seid ein Geisterbeschwörer?“ Ombosoboru nickte. Der Mensch spiegelte die Körperhaltung seines Gegenübers sowie das Nicken. „Gut.“ Er machte zwei Schritte seitwärts. „Mein Name ist Lharlen. Ihr habt wahres Glück. Ich kann euch helfen und hier herausholen, wenn ihr bereit seid, einen Vertrag mit mir einzugehen.“ Der Obsidianer verzog keine Mine. Vom Glück verfolgt muss ich wohl sein, dachte er zynisch und musterte seinerseits den Menschen vor sich, der sich über seinen Bart strich. „Ich bin auf der Suche nach Adepten, die sich in den Dienst der Person stellen, für die auch ich arbeite. Für euch wäre es eine Verpflichtung …für eine gewisse Zeit natürlich. Sklaverei, Geknebel und dergleichen ist Sache der verdammten Theraner. Ich habe das Clanoberhaupt nach Verhandlung und Abwicklung einiger Geschäfte überzeugen können, dass es lukrativer für ihn ist, euch mir und unserem möglichen Vertrag zu überlassen. Mein Dienstherr ist Gustavo von Winkelstein. Ein Geisterbeschwörer fehlt in den Diensten meines Herrn noch. Also, was sagt ihr, Obsidianer? Kann ich euch für die Dienste von Gustavo gewinnen?“ Lharlen lächelte wie ein Honigkuchenpferd, siegessicher und selbstgefällig. Ombosoboru wog ein letztes Mal seine Optionen ab: er war der Gefangene des Clanhäuptlings, der irgendetwas mit ihm vorhatte. Doch was es war, war ihm bislang verborgen geblieben. Es missfiel dem Obsidianer, sich jetzt in aller Schnelle entscheiden zu müssen. Er war dies ganz und gar nicht gewohnt. Es entsprach ganz und gar nicht seinem Naturell, zu hetzen, sowohl im Körper als auch im Geiste. Aber gefiel es ihm auch nicht, in der Falle zu sitzen. Schließlich willigte der Geisterbeschwörer ein. Auf einem Hambrell’s Contract wurde ein Vertrag unterzeichnet, durch den sich Ombosoboru für eine begrenzte vereinbarte Zeit in den Dienst des erwähnten Gustavo von Winkelstein für eine Reihe vereinbarter Aufgaben stellte. Lharlen schien sehr zufrieden mit sich.
Am Nachmittag verließen Lharlen und der Obsidianer, dem seine Ausrüstung zurückgegeben worden war, das Lager in Richtung der Handelsstraße nach Travar unter den Augen von Rakas Rotauge und den übrigen Steppenreitern. „Verfluchte Menschen!“, wetterte der Steppenreiter, drehte bei und ritt auf seinem Huttawa hinaus in die Steppe. Ein Kamerad war gestorben, dessen Tod im Dunkeln bleiben sollte. Wenigstens wollte Rakas ihm die letzte Ehre durch einen Höllenritt durch die Steppe erweisen. Das Huttawa kreischte, als der Ork der Sonne entgegen ritt.

Im Donnergebirge …
Ombosoboru hatte sich in die Kajüte auf der „Weißen Sturm“ zurückgezogen, die er mit seinen neuen Weggefährten teilte. Für eine Weile sollte der Obsidianer allein sein, ein Zustand, der dem Geisterbeschwörer durchaus gefiel und vor allem notwendig erschien, um seine Gedanken über das Erlebte ordnen zu können. Die Geschwindigkeit der Ereignisse war ihm etwas zu groß gewesen, auch wenn er sich bereits etwas mehr an die Eile anderer Namensgeber hatte anpassen, nicht aber daran gewöhnen können. In Gedanken vollzog der Zauberer die Erlebnisse auf dem Luftschiff, den Kampf gegen jene schwarzen Wachhunde, die aus der Aufsicht des Tiermeisters entkommen zu sein schienen, den Weg durch die Stockwerke des Turms, Sedans Wacht, und die damit verbundenen Kämpfe gegen Kadavermenschen und Zoaks. Insbesondere der letzte Kampf hatte dem Obsidianer schwer zugesetzt, ihn durch die gezielten schweren schmerzhaften Angriffe bewusstlos gemacht, der T’Skrang Kriegerin Khenshan gar das Leben gekostet. Die Haut eines Obsidianers war widerstandsfähig, bot jedoch nicht so viel Schutz wie die Rüstungen der anderen. Nur durch den Einsatz der Heilkünste der Schiffsheilerin und ihrer rettenden Salben hatte die Kriegerin die Schwelle aus der Geisterwelt wieder zurück in die Welt der Lebenden überschritten. Langsam blickte der Geisterbeschwörer an seiner einfachen braunen Robe herab, die gekennzeichnet war durch die überstandenen Kämpfe: Risse, Löcher und getrocknetes dunkelblaues Blut. Er würde sein Gewand reinigen und jemanden bitten, sie wenigstens notdürftig zu flicken. Und was hatte es mit dem Angriff von Kadavermenschen auf das Lager auf sich gehabt? Der junge Troll hatte die Nachricht an den Luftsegler überbracht. Welche Zusammenhänge gab es zwischen den Ereignissen, den Angriffen der Wachhunde, Kadavermenschen im Turm und im Lager? Oder waren alle oder manche unabhängig voneinander? In Ombosoboru formte sich das Ziel, dem genauer auf den Grund zu gehen, den zweiten Angriff auf das Lager zu untersuchen, wenn möglich einige der erschlagenen Untoten. Und was genau hatte der Tiermeister in dem fernen Gebirgspfad zu suchen, anstatt sich am Luftschiff um die Wachhunde zu kümmern? Welche Machenschaften waren im Hintergrund im Gange? Zur rechten Zeit würde der Zauberer den engeren Kreis um Gustavo von Winkelstein mit diesen Fragen konfrontieren, auch wenn durchaus Vorsicht geboten sein konnte, die Notwendigkeit, ein mögliches Spiel vorerst mitzuspielen. Und welche Rolle hatten dann die anderen, der Elf, der Zwerg, der WIndling, die T’Skrang und letztlich er selbst inne? Sollte gar der Zwischenfall auf der Hinreise, die Falle mit dem vergifteten Bolzen und der Nachricht jenes mysteriösen Kultes eine weitere mögliche Ablenkung und Verwirrung darstellen? Oder verbarg sich hinter diesem Ereignis ein weiterer verschlungener Pfad, ein weiteres Mysterium? Der Geisterbeschwörer holte einen kleinen Lederbeutel aus einer der Innentaschen seiner Robe hervor. Sowohl die Kralle eines Zoak als auch den giftigen Stachel der schwarzen Wachhunde hatte er darin aufbewahrt. Der Obsidianer nahm sich vor, diese mit Hilfe seiner Werkzeuge zum Schnitzen von Knochen zu bearbeiten und an seine Knochenkette, die er um den Hals trug, anzubringen. Auch dachte der Geisterbeschwörer zurück an die drei konservierten Leichen in einem der Stockwerke des Turms. Unverletzt sollte er eher in der Lage sein, einen seiner Zauber anzuwenden, um über das Schicksal der Verstorbenen mehr zu erfahren, die letzten Momente vor deren Tod mitzuerleben; ein riskantes, wenn auch möglicherweise lohnenswertes Unterfangen, um mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Auf dem Gang vor dem Gemeinschaftsraum waren Geräusche, Schritte zu hören. Nicht mehr lang würde er ungestört sein. Vielleicht sollte er in der Nähe des Lagers auf festem Untergrund einen entlegenen ruhigen Platz finden, um weiter über das Vergangene, Gegenwärtige und das Zukünftige zu sinnieren. Auch sehnte sich der Obsidianer danach, sein Karmaritual, das Teetrinken mit den Geistern, durchzuführen. Zuletzt noch, bevor er wieder in Gesellschaft war, dachte er über das Versprechen nach, das die Heilerin von ihm verlangt hatte, den Gefallen, für die Wiederbelebung der Kriegerin. Es missfiel Ombosoboru, sich zu verpflichten. Dies gegenüber von Winkelstein zu tun, war ihm bereits sehr schwer gefallen. Welche andere Wahl hatte der Obsidianer gehabt? Sich erneut zu verpflichten, hatte er vielleicht zum Unbehagen der anderen zurückgewiesen. Nicht dass ihm das Schicksal der Kriegerin gleichgültig gewesen war, auch wenn der Tod für den Zauberer nichts war, vor dem es sich zu fürchten galt, sondern dieser nur ein Teil auf dem Weg alles Sterblichen, der Reise von Geburt, Wachstum, Zerfall, über den Tod in die Welt der Geister und Ahnen war. Ganz im Gegenteil. Aber Ombosoboru war etwas Großem verpflichtet, an etwas gebunden, woran jeder seiner Art durch ein ganz ursprüngliches Versprechen gebunden war: an seinen Lebensfels. Und sollte dieser ihn rufen, würde er gehen müssen. Der Geisterbeschwörer nahm sich vor, mit der T’Skrang über ihr Erlebnis mit dem, was man Tod nannte, zu sprechen, ihr dies zumindest anzubieten; denn manche Dinge hinterließen weniger körperliche als seelische Verletzungen und Narben. Und das wusste Ombosoboru aus eigener Erfahrung nur zu gut.

Ombosoboru hing seinen Gedanken nach, während er dabei war, in einen erholsamen, wenn auch wie gewöhnlich eher leichten Schlaf zu gleiten. Nahe bei ihm lagen und wachten seine Weggefährten und der neue die Gesellschaft der Abenteurer suchende Magieradept. Der große Schutzkreis gegen Wildtiere lag erneut über der Lagerstatt. Der Geisterbeschwörer dachte an die Ereignisse der letzten Tage und Wochen, die Ereignisse um das versiegelte Kaer Zwei Welten, die Ereignisse in Travar, an von Winkelstein und dessen mögliche Machenschaften sowie an den dunklen mordenden Kult, der ihm und den anderen Abenteurern nach deren Leben trachtete. Welche Fäden hielten wohlmöglich die vergangenen Ereignisse zu einem gemeinsamen Netz zusammen, welche waren voneinander unabhängig? Der Obsidianer dachte zurück an seine Heimat, an seinen Lebensfelsen im Tal von Jhaldo in den Dragonmountains. Sein Lehrbruder, der ihn in den Pfad des Geisterbeschwörers eingeführt hatte, hatte Ombosoboru einst bei seinem Aufbruch wahrgesagt, dass neben dem Lichte von Erkenntnis, Erfahrung und Wachstum ein finsterer Schleier über seinem weiteren Weg liegen würde. Sollte wahrhaftig ein dunkles Erbe auf dem Obsidianer lasten? Nicht wenige von Ombosoborus Brüdern hatten sein Heraustreten aus dem Ostmassiv des Lebensfelsens als dunkles Vorzeichen gedeutet, ein Massiv, das einst von dämonischem Einfluss verseucht gewesen war. Seitdem hatte Ombosoboru manches Misstrauen geerntet, hatte durchaus die Stellung eines Sonderbaren, gar eines Außenseiters gehabt. Nicht dass man ihn offen hätte verstoßen oder dass man ihm mit offener Ablehnung begegnet wäre. Dazu war die Bruderschaft doch zu stark und gefestigt. Doch hatten die Umstände seiner „Geburt“ dem Ältestenrat ein Rätsel aufgegeben, welches einige als schlechtes, andere als optimistisches Vorzeichen für die Zukunft der Gemeinschaft deuteten. Bei aller Toleranz, Offenheit und Unterstützung blieb stets ein Stigma an Ombosoborus Dasein zurück. Er selbst machte die Erforschung dessen zu seiner Aufgabe sowie die Lehren eines Geisterbeschwörers, die Lehren finsterer Kräfte, der Dämonen und des Astralreiches zu seinem Pfad. Sein Potential und seine Begabung für den Pfad des Geisterbeschwörers wirkten selbst wiederum wie eine Bestätigung seiner besonderen Ursprünge. Viele seiner Brüder mieden das Ostmassiv, welches Ombosoboru selbst häufig aufsuchte, sich teils über längere Zeit dorthin in die tiefen Höhlen und Hallen zurückzog.
Der Obsidianer versank weiter in seine Gedanken und Erinnerungen, spürte wie sich Entspannung und Erholung in seinem Körper langsam ausbreiteten. Welche Kämpfe sollten ihn und die anderen in der nächsten Zeit noch erwarten? Würden die verschiedenen Gruppierungen Travars, der Kult oder gar Gustavo von Winkelstein und dessen Schergen erneut ihre Wege kreuzen, ihnen nach dem Leben trachten? Wie sicher und ruhig waren Travar und Umgebung noch? Auch dachte Ombosoboru zurück an die T’Skrang-Elementaristin und Heilerin Barethya, welche durch das reaktionsschnelle und besonnene Einschreiten der Abenteurer von der Schwelle eines frühen Dahinscheidens bewahrt werden konnte. Und dann war da noch ihr Mitarbeiter und Schüler Lorn, ein bemühter heilkundiger Zwerg. Wie sollte es den beiden in der Zwischenzeit ergangen sein? Der Obsidianer wünschte beiden Kraft und Gesundheit. Was würde die Gruppe erwarten, sollten sie das Grabmal bzw. jenes Artefakt des alten Trollkönigs entdecken können? Vielleicht war es daran, den Spieß umzukehren, wie ein Sprichwort der Menschen lautete, die Gossentrolle oder gar jenen mordenden, dunklen Kult zu konfrontieren, vom Gejagten zum Jäger zu werden. Auch wenn für den Obsidianer Leben an sich ein Wert war, würde er sein eigenes weiterhin und vielleicht noch umso energischer verteidigen. Hatten nicht jene ihr Recht auf ein sicheres und unversehrtes Leben verwirkt, welche die Leben anderer zu schaden und zu bedrohen suchten? Als der Obsidianer endgültig in den Schlaf glitt, spürte er noch einmal seine gewachsenen Kräfte, die Kräfte eines Adepten. Er fühlte sich bereit, auf dem Pfad des Geisterbeschwörers weiter zu schreiten, einen Lehrmeister für eine weitere Zirkelinitiation aufzusuchen. Vielleicht würde der Geisterbeschwörer Nyakrys, ein Obsidianer wie Ombosoboru selbst, ihn ein weiteres Mal unterrichten, ihn an seiner Weisheit und seinen Erfahrungen auf ihrer beider Pfade teilhaben lassen. Auch war in ihm das Ziel gewachsen seine Fähigkeiten eines Alchemisten und Heilkundigen zu vergrößern. Ombosoboru dachte im Zuge dessen an Barethya und Lorn sowie den zwergischen Alchemisten, welchen er unentgeldlich in dessen alchemistischen Laboratorium unterstützt hatte. Könnten sie ihm fähige Lehrer sein? Ombosoboru brauchte Zeit, Zeit um zu lernen und seine Kräfte zu bündeln. Auch wenn sich der Obsidianer mittlerweile immer besser an die Eile seiner Weggefährten anpassen, ihre Schnelligkeit und Hetze verstehen konnte, war dies nicht sein Weg, nicht seine Wesensart. Am ähnlichsten schien ihm da noch Toviam, der fähige und bodenständige Elementarist, ein Gebieter über die Kräfte der fünf Elemente. Der Geisterbeschwörer wünschte sich Zeit und Entschleunigung, um seinen Weg wieder etwas mehr auf seine Weise gehen zu können, auch wenn er die Energie seiner Weggefährten, des kämpferischen elfischen Luftseglers Imra, des findigen Windling-Windscouts Adeek und der mutigen T’Skrang-Kriegerin, welche meist von den anderen Kara, bei einem Teil ihres vollständigen Namens gerufen wurde, durchaus respektierte und achtete. Bei alledem waren es der Wald und die Natur, die Tiere und Pflanzen, die Sonne, die Gewässer und der freie Himmel, welche dem Obsidianer Kraft und Ruhe spendeten. Außerhalb großer Siedlungen, zurückgezogen und abgeschieden von Trubel und Namensgeberwirrwarr fühlte sich der Zauberer einfach wohler und geerdeter.
Am nächsten Tag setzte die Gruppe ihren gemeinsamen Weg fort und sollten auf jene Troll-Luftpiraten treffen, die mit ihrem Drakkar am großen Grabhügel festgemacht hatten. Ein weiterer Kampf musste blutig ausgefochten werden. Wieder sollte die Sprache von Schwertern und Äxten mehr Gewicht als das friedvolle Wort zwischen Namensgebern haben. Wieder sollten Namensgeber den Tod finden und deren Seelen ihre Reise in die Welt der Geister antreten.

Die Abenteuergruppe hatte sich abseits in der Nähe des Außenpostens östlich von Travar in der Wildnis niedergelassen, um dort ein Nachtlager aufzuschlagen. Ombosoboru hatte sich mittlerweile in sein Zelt zurückgezogen, dort in stiller Meditation Kontakt mit dem Erdboden, auf dem er saß, sowie seinen weit entfernten Wurzeln, seinem Lebensfelsen aufgenommen. Dies tat der Obsidianer in regelmäßigen Abständen, um sich zu erden und Kraft aus der Erde zu erhalten. Der Geisterbeschwörer dachte an die letzten Wochen in Travar zurück. Dort hatte er sich erneut in die Unterweisung seines obsidianischen Mentors begeben und nunmehr den Vierten Kreis erreicht. Er spürte die sich um ihn sammelnde und wachsende Macht, begann seine sich mehrenden und gedeihenden Kräfte mehr und mehr zu verstehen und zu erkennen. Eine Frage seines Mentors klang wie ein weites Echo in Ombosoboru nach: Welche Wahrheiten erhoffst du auf deinem Weg zu finden? Diese Frage wollte dem stillen und geduldigen Obsidianer nicht aus dem Kopf, aus seinen Gedanken weichen. Welche Wahrheiten erhoffst du auf deinem Weg zu finden? Der Obsidianer atmete tief ein und nahm die rauchigen Essenzen des kleinen Räucherstäbchens wahr, welches er im Inneren seines durch einen kleinen Lichtquarz sanft erhellten Zeltes entzündet hatte. Für einen ausgedehnten Moment lang schien es ihm, als hörte er eine dunkle, tiefe, ja uralte Stimme aus den Wurzeln der Erde zu ihm hinaufsteigen, eine andere Stimme als die seine: Welche Wahrheiten erhoffst du auf deinem Weg zu finden? Und dieser Frage folgte eine weitere: Mit welchen Fragen hast du dich einst in die Welt aufgemacht? Der Geisterbeschwörer hielt innerlich inne, empfand tiefen Respekt für die Weisheiten oder war es eher eine Weissagung aus der Erde Tiefen. Er dachte nach, über seine Gedanken und die Eingebungen, die ihn erreicht haben mochten. Warum hatte er seinen Lebensfelsen verlassen, unter welchen Bedingungen, mit welchem Ziel? War dies gemeint gewesen? Der Obsidianer ließ seine Gedanken und Gefühle, seine Neugier, sein Interesse und sein spirituelles Empfinden, seine Verbundenheit mit der Erde und diesem gemeinsamen Erlebnis weiter auf sich wirken. Oder war mit dem Ausdruck, sich in die Welt aufzumachen, etwas Anderes, etwas viel Ursprünglicheres gemeint? Vielleicht die Bedeutung seines Heraustretens aus seinem Lebensfelsen, die Bedeutung seiner Geburt, gar die Triebfeder und der Sinn seiner Existenz? Hatte die Erde, hatte der Lebensfels, der allumgreifende Große Geist der Erde ihn geboren und ihm einen Teil seiner Kraft eingehaucht, um einen wichtigen Auftrag zu erfüllen? Vielleicht der Verunreinigung und Vergiftung von Ombosoborus Lebensfelsen auf den Grund zu gehen, die Umstände dieses Ereignisses zu erforschen? War dieses Geheimnis, dieser Schandfleck noch nicht genügend beleuchtet und gereinigt worden? Immerhin war Ombosoboru nach langer Zeit als erster Obsidianer aus diesem Teil des Lebensfelsen herausgetreten. Sollte so sein Weg, ja auch sein Pfad als Adept bereits derartig vorgebahnt, vorherbestimmt gewesen sein? Welche Wahrheiten erhoffst du auf deinem Weg zu finden? Und wieder war diese sich entscheidend und wichtig anfühlende Frage in den Gedanken des hochgewachsenen Obsidianers. Ein Wort hallte besonders nach: Wahrheit. Was war die Wahrheit, die Bestimmung um Ombosoborus Existenz? Vielleicht würde er nicht nur in dieser Welt, der Welt der Lebenden Wahrheit für sich finden, sondern und ganz bestimmt auch in der Welt der Geister, in deren Untiefen und wenig erforschten Weiten. Davon war der Obsidianer überzeugt. Er würde seine Meditation, sein Sinnen über und hinüber in die Geisterwelten intensivieren. Er fühlte sich sicher auf seinem Pfad, dem Pfad des Geisterbeschwörers. Und in diesem Moment war es, als würde sein Weg ganz klar vor ihm liegen, auch wenn viele Fragen für ihn ungeklärt blieben. Ombosoboru hielt dieses Gefühl fest und gab ihm in sich einen Platz.
Gegen Ende seiner Meditation löste der Adept seine Verbindung zur Erde wieder und widmete sich der gemeinsamen Nachtwache mit dem Luftsegler Imra. Als die Dunkelheit der Nacht hereingebrochen war, sollten dunkle Kräfte den Abenteurern ein weiteres Mal nach deren Leben trachten. Und in der Ferne loderten im Außenposten die hohen Flammen eines sich ausbreitenden großen Feuers.

Ombosoboru

Außenposten Morninglord